Familienstand und Kinder im Lebenslauf

Der Lebenslauf soll ein möglichst vollständiges Bild der relevanten Bewerberdaten abgeben. Schul- und Hochschulabschlüsse, berufliche Stationen und gesammelte Erfahrungen stehen im Vordergrund, üblich sind aber auch einige persönliche Eckdaten. Dazu gehörten zumindest früher Angaben zu Familienstand und Kindern, heute genießen sie einen ähnlichen Status wie das Bewerberfoto: jeder kennt sie als Bestandteil des Lebenslaufs, doch niemand gibt sie noch gerne an. Eine Erwähnung des Familienstandes und eventueller Kinder kann Vor-, aber auch Nachteile haben.

Familienstand/Kinder im Lebenslauf: ja oder nein?

Angaben zum Familienstand und zu Kindern sind heute nicht mehr verpflichtend. Sie sind sogar im Lebenslauf unüblich geworden und werden meist nur noch von älteren Generationen oder dann angegeben, wenn diese Infos für den Beruf relevant sind. Das liegt mitunter daran, dass Frau und Kinder früher für männliche Bewerber ein Statussymbol und der Schlüssel zu höheren Gehältern waren, was sie heute nicht mehr sind. Bewerberinnen verschweigen die Angabe lieber, da sie durch Kinder Nachteile befürchten. Aufgrund des Familienstandes oder der Mutter- und Vaterschaft darf kein Bewerber abgelehnt werden, in der Praxis kann es natürlich trotzdem mit anderer Begründung passieren.

Familienstand: Vor- und Nachteile

Arbeitgeber gehen davon aus, dass ihre Mitarbeiter früher oder später heiraten oder in einer festen Beziehung leben. Allerdings hat der Familienstand bei Frauen und Männern einen ganz anderen Stellenwert. Ein frisch verheirateter Mann wird jederzeit eingestellt. Ist eine Frau dagegen jung und verheiratet, gehen Arbeitgeber gerne davon aus, dass bald Kinder folgen werden. Als Statussymbol oder Rechtfertigung für höhere Gehälter dient der verheiratete Familienstand schon lange nicht mehr und um eventuelle steuerliche Belange wird sich die Personalabteilung früh genug kümmern können. Deswegen wird der Familienstand vor allem von jungen Leuten heute gar nicht mehr angegeben – es sei denn, man ist alleinerziehendes Elternteil und möchte darauf hinweisen, dass die Verfügbarkeit eingeschränkt sein könnte.

Kinder: Vor- und Nachteile

Kinder werden noch lieber verschwiegen als der Familienstand, da sie bei Frauen und Männern wieder sehr unterschiedlich bewertet werden. Bei einem männlichen Bewerber sind Kinder kein Problem – es sei denn, der Vater will gleichzeitig in Elternzeit gehen oder Teilzeit arbeiten. Das sieht nicht jeder Arbeitgeber mit modernen Augen. Frauen dagegen wird still unterstellt, sie würden danach erst recht weitere Kinder wollen und seien durch die Kinderbetreuung für Führungspositionen nicht geeignet. Es gibt Ausnahmen in der Arbeitswelt, sie sind aber selten und nicht jedes Unternehmen, das sich als familienfreundlich ausgibt, ist es in der Praxis. Insbesondere für Frauen ist die Angabe, kinderlos zu sein, fast noch riskanter – denn wenn sie noch nicht weit über das gebärfähige Alter hinaus ist, wird vermutet, dass sie sich mit Kindern nicht mehr viel Zeit lässt. Erwähnen kann man die Kinder dagegen, wenn es einen Betriebskindergarten gibt, denn dann wird der Arbeitgeber sehr wahrscheinlich kein Problem mit ihnen haben. Ein Muss ist das aber nicht.

Familienstand und Kinder erwähnen: wann und wie?

Eine Angabe zu Familienstand und Kindern kann der Bewerber auch zu seinem Vorteil formulieren. Bei Frauen erweist es sich als effektiv, in ihrem Anschreiben schon zu erwähnen, dass eventuelle Kinder Einzelkinder sind oder sie keinen Kinderwunsch hat, wenn dem so ist. Sie darf dies auch schreiben und einen Monat später schwanger werden, der Arbeitgeber kann sie danach nicht darauf festnageln. Bewerber, die getrennt leben oder geschieden sind, können diese Angabe ebenfalls tätigen, wenn daraus klar hervorgeht, dass sie für die Kinderbetreuung dann nicht mehr verantwortlich sind. Wenn Familienstand und Kinder angegeben werden, sollten beide Details zum Vorteil des Bewerbers erläutert werden. Andernfalls ist es besser, gar keine Angaben zu machen – im Bewerbungsgespräch wird man schnell genug bemerken, aus welcher Richtung der Wind in puncto gelebter Familienfreundlichkeit weht.